Wie alles begann

Ihren 75. Geburtstag feiert die Festhalle im Jahre 1988 mit Konzerten, Veranstaltungen und einer Festschrift, aber in einem desolaten baulichen und optischen Zustand, der den früheren Stadtdirektor Dr. Karl-Heinz van Kaldenkerken dazu veranlasst, ihr zum Geburtstag „tatkräftige und durchsetzungsfähige Freunde“ zu wünschen. Die findet sie einige Jahre später unter den Besuchern, denen das Gebäude ans Herz gewachsen ist.


Tatkräftige Freunde

Hermann Gerstein ist der erste „tatkräftige“ Freund der Festhalle. Er trägt seine Idee, einen Förderverein zu gründen, der damaligen Bürgermeisterin Marina Hammes vor, die davon ebenso begeistert ist wie Stadtdirektor und Kulturdezernent Dr. Jörg Dinger und Kulturreferentin Dr. Adelheid Limbach. Man führt Gespräche, überlegt, plant. Und schon bald kann Hermann Gerstein zur Gründungsversammlung einladen, die mit 17 Teilnehmern am 30. Mai 1996 in der Städtischen Galerie im Park stattfindet.


Gründungsvorstand

In den Gründungsvorstand werden gewählt: Sparkassendirektor Heinrich Niehoff als Vorsitzender, Hermann Gerstein als stellvertretender Vorsitzender und Schriftführer, Cornelia Heimes als Schatzmeisterin und Fachfrau für Marketing, Josef Hillers, Leiter der Kreismusikschule, für den Bereich Kultur, der ehemalige Stadtbaurat Werner Mellen als Fachmann für Baufragen, der Geschäftsführer der Stadtwerke, Peter Schade, Hermann Stockem als Werbefachmann sowie Kulturreferentin Dr. Adelheid Limbach als geborenes Vorstandsmitglied.


Fülle von Aktivitäten

Die Vereinsgründung löst eine Fülle von Aktivitäten aus. Im September 1996 wird die Festhalle in die Denkmalliste eingetragen, da nur unter dieser Voraussetzung Zuschüsse vom Land erwartet werden können. Die Bauverwaltung überarbeitet ihre seit langem vorliegenden Bau- und Kostenpläne, stellt Lösungsmöglichkeiten zur Erweiterung des Foyers vor und erarbeitet eine Prioritätenliste. Auch die Politik beginnt sich nun für die Festhalle zu interessieren, und die Vorstandsmitglieder des Fördervereins erleben als Zuhörer, dass der Bau- und Planungsausschuss den Renovierungs- und Umbauplänen zustimmt. Es besteht Einigkeit darüber, dass die Arbeiten auf mehrere Jahre verteilt werden, zum einen, um die Kosten zu verteilen – man kalkuliert zu dieser Zeit mit insgesamt ca. 9 Millionen DM –, zum anderen, um das Kulturprogramm weiterführen zu können. Denn was nutzt eine wiederhergestellte Festhalle, wenn sich das Publikum inzwischen zu den Nachbarstädten orientiert hat. Die Handwerker ziehen daher in den verlängerten Sommerpausen in die Festhalle ein.


Renovierungszeitalter

Im Jahr 1997 beginnt das neue Zeitalter für die Festhalle Viersen. Highlights: die Renovierung des Eingangsbereichs, ein neues Dach in den Jahren 1998/1999 sowie die Renovierung des Innenraums im Sommer 1999. Zur Wiedereröffnung führt das eigens für diesen Zweck gegründete Orchester opus 125 unter der Leitung von Josef Hillers am 1. November 1999 die 9. Sinfonie d-moll op. 125 von Ludwig van Beethoven auf.


Erweiterungspläne

Unter den vielen Ideen zur Foyererweiterung überzeugt vor allem der Plan der Bauverwaltung, durch Unterkellerung der Festhalle Platz für ein Stuhllager, Garderoben und Toilettenanlagen sowie einen kleineren Veranstaltungssaal zu schaffen und damit im Foyer mehr Raum zu gewinnen. Das Ausbleiben der erhofften Zuschüsse des Landes verhindert die Realisierung. Bereits im Vorfeld ist aus Kostengründen die „große“ Lösung, der Anbau eines großen Saales als Foyer und für Festveranstaltungen, gescheitert. Und auch ein Anbau zur Hauptstraße hin wird verworfen, vor allem weil er in den Baukörper der Festhalle eingegriffen hätte. So ist man auf die „kleine“ Lösung zurückgeworfen, die versucht, durch Umgruppierung und Zusammenfassung von Funktionsräumen mehr Platz zu gewinnen.


Bahn brechende Idee

In dieser Situation entwickeln die Kulturdezernenten der Stadt und des Kreises Josef Hopp und Dr. Leo Peters die Bahn brechende Idee, die notwendige Festhallenerweiterung und den ebenfalls notwendigen Neubau der Kreismusikschule in einem gemeinsamen Bauprojekt miteinander zu verbinden. Es ist vor allem der Unternehmer Hellmut Trienekens, der die Realisierung dieses Plans ermöglicht, indem er der Stadt die Architektenleistung für den Neubau schenkt und eine Privatspende in hilfreicher Höhe gibt; außerdem fließen Mittel aus dem mit der Firma Trienekens geschlossenen Sponsoring-Vertrag. Weitere Großspenden für die Festhalle kommen von der Stadtsparkasse Viersen und den Stadtwerken.


Großbaustelle

Am 22. September 2001 können Bürgermeisterin Marina Hammes und die stellvertretende Landrätin Angelika Thiel-Hedderich den ersten Spatenstich für das gemeinsame Bauvorhaben tun. Am 4. Mai 2002 wird Richtfest gefeiert. Im Frühjahr 2003 ist der Neubau fertig gestellt. Er umfasst die Unterrichtsräume der Kreismusikschule, den von Stadt und Kreis gemeinsam genutzten Kleinen Saal mit Foyer sowie im Untergeschoss die Garderoben für die Festhalle und ein Stuhllager. Die Verwaltungen der städtischen Kulturabteilung und der Musikschule befinden sich bereits in der angrenzenden, renovierten „Villa Heine“. Die Musikschule zieht ein, und am 10. Oktober 2003 wird der Neubau offiziell eröffnet. Parallel zu den Arbeiten am Neubau und in Ergänzung dazu werden die Renovierungsmaßnahmen in der Festhalle fortgesetzt. Der Festhallenkeller, die Foyers, die Künstlergarderoben sowie die Sanitäranlagen sind bald kaum noch wiederzuerkennen in ihrer neuen Gestaltung; vieles, was nicht sichtbar, aber außerordentlich wichtig ist, wie elektrische Leitungen, Heizung und Entlüftung, wird erneuert. Der kaum nutzbare schmale lange Raum hinter dem Mittelbalkon, der die rechte mit der linken Seite verbindet, verwandelt sich in einen ansprechenden Sponsorenraum, in dem später die Spender der Stühle dokumentiert werden. Nach und nach erhalten die Außenfassaden ein neues Gesicht durch Sanierung und Anstrich.


Wie man sich bettet, so sitzt man...

Schon im Jahre 2000 hat man im Förderverein begonnen, darüber nachzudenken, wie man das groß angelegte Renovierungswerk durch eine neue Bestuhlung zur Vollendung bringen kann. Die Bauverwaltung wird gebeten, hierzu entsprechende Informationen und Vorschläge zu unterbreiten. Nachdem die Entscheidung gefallen ist, nicht die alten Stühle zu überarbeiten, sondern neue Stühle anzuschaffen, geht es unter Beteiligung des Fördervereins um die Auswahl des Modells und die Farbe des Bezugsstoffs. Es werden Fahrten zu anderen Sälen unternommen, es gibt ein „Probesitzen“ – schließlich macht ein Thonet-Stuhl mit rotem Bezug das Rennen, der auch für den Kleinen Saal angeschafft wird. Da die Stühle im Obergeschoss nicht ständig aus- und eingeräumt wurden und daher in noch recht gutem Zustand sind, kann man sie aufarbeiten und mit dem gleichen Stoff beziehen. Eine groß angelegte Werbeaktion für die Stühle, initiiert von Hermann Gerstein, beginnt am 1. November 2002 mit einem Konzert des Orchesters opus 125 unter Leitung von Josef Hillers. Es gelingt dem Verein, die gesamte Summe für die Anschaffung der Stühle einschließlich Nebenkosten zu sammeln und der Stadt zur Verfügung zu stellen. Sie werden im Sommer 2004 eingebaut und am 17. September 2004 in einer kleinen Feierstunde erstmals „in Besitz“ genommen. Die alten Stühle finden eine neue Heimat bei Fans und Liebhabern, einige bleiben als Ersatzteile für die Stühle im Obergeschoss in der Festhalle.


Weitere Geschenke

Im Jahre 2005 schenkt der Förderverein der Stadt ein neues Klavier für das Künstlerzimmer. Es wird von konzertierenden Künstlern zum Einspielen genutzt, kann bei Theater- und Kabarettaufführungen, bei Konzerten und Opernaufführungen im Orchester sowie im „Viersener Musiksommer“ eingesetzt werden.
Die hervorragende Akustik der Festhalle für musikalische Aufführungen bringt es mit sich, dass der Raum für Sprechtheater, insbesondere bei „leisen“ Stücken und schnellen Dialogen, eher problematisch ist. Um diese Situation zu verbessern, ermöglicht der Förderverein die Anschaffung einer entsprechenden Anlage, die sich am 27. Oktober 2006 in einer Aufführung des Improvisationstheaters „Frizzles“ dem Publikum präsentiert.
2010 konnten neue Bühnenstühle sowie – dank des Geburtstags von Hermann Gerstein – ein Dirigenten- sowie ein Rednerpult angeschafft werden. Eine mobile Vorhanganlage, die den großen Saal für Studioaufführungen verkleinern kann, und Notenpulte einschließlich Beleuchtung kamen 2011 und 2012 hinzu.


Neue Aufgaben

Um seine Vorhaben bekannt zu machen, Einnahmequellen zu erschließen und Mitglieder zu werben, hat sich der Verein von jeher als Veranstalter betätigt. Es gab Feste und Parties, Kabarett mit Konrad Beikircher, Konzerte mit den Wiener Sängerknaben, mit den Bläck Fööss, mit Max Raabe und mit Ensembles der Kreismusikschule. Als das Ende der Renovierungsarbeiten abzusehen war, stellte man Überlegungen zu zusätzlichen Aufgabenstellungen an. Das führte im Jahr 2003 zu einer Erweiterung des Vereinszwecks in der Satzung um die „Durchführung und Unterstützung von kulturellen Veranstaltungen, insbesondere Konzerten, und die Unterstützung von kulturellen Einrichtungen, insbesondere Orchestern“ – neben dem Einsatz für die bauliche Betreuung sollte das Veranstalterdasein selbst zum Zweck werden.


Viersener Musiksommer

Gesagt, getan: Seit 2006 veranstaltet der Förderverein den „Viersener Musiksommer“, eine Musikakademie mit Meisterkursen und Konzerten, für die Professor Homero Francesch als Künstlerischer Leiter gewonnen werden konnte. Zum Auftakt initiiert dieser im Mai 2006 ein Benefizkonzert, bei dem vier Pianisten – neben Francesch selbst Filippo Gamba, Simone Gragnani und Adrian Oetiker – Klaviermusik an zwei Flügeln spielen. Vom 1. bis zum 11. Juni 2006 besuchen 26 Musikstudenten Meisterkurse für Klavier, Violine, Viola, Violoncello und Flöte bei Dozenten, die als Künstler und als Musikpädagogen einen ausgezeichneten Ruf genießen. Es finden in dieser Zeit zwei Dozentenkonzerte und sechs Studentenkonzerte statt. Die Studenten wohnen bei privaten Gastgebern in Viersen, was zusätzliche Kontakte zwischen Publikum und Künstlern ermöglicht. 2013 geht die erfolgreiche Sommerakademie in die sechste Runde. Der Förderverein unterstützt außerdem das Jazzfestival Viersen und etabliert sich zunehmend als (Mit-)Veranstalter herausragender Kulturereignisse wie etwa das Konzert zum 100jährigen Jubiläum der Festhalle Viersen mit der weltberühmten Geigerin Anne-Sophie Mutter als Stargast.


Dank

In den letzten 20 Jahren hat der Verein wesentlich dazu beigetragen, die Rolle der Festhalle als architektonisches Schmuckstück, kulturelles Glanzlicht und gesellschaftliches Zentrum zu stärken. Diese Aktivitäten wären nicht möglich gewesen, hätten nicht Großspender geholfen: Die Stadtsparkasse Viersen, heute Sparkasse Krefeld, die Stadtwerke Viersen, heute NEW AG, die Trienekens AG und die RWE Umwelt AG. Die Vorhaben und Aktivitäten des Fördervereins wären ohne die Unterstützung der Presse von der Öffentlichkeit nicht wahrgenommen worden. Insbesondere die Rheinische Post hat die Arbeit für die Festhalle in aller Ausführlichkeit und mit großer Sympathie begleitet; als Medienpartner des „Viersener Musiksommers“ hat sie wesentlichen Anteil am Erfolg dieses Ereignisses.  Allen Mäzenen, Sponsoren, Spendern, Partner und Freunden, deren finanzieller Beitrag und emotionales Interesse von größter Wichtigkeit für die Festhalle und für die Arbeit des Fördervereins sind, dankt der Förderverein Festhalle Viersen e.V. im Namen der Festhallenbesucher, der Viersener Bürger und der Stadt Viersen.